Hinter der eID-Funktion des deutschen Personalausweises steht D-Trust, eine Tochtergesellschaft der Bundesdruckerei, die als eigene Root-CA für die Regierungs-PKI fungiert. Diese Vertrauenskette ist völlig getrennt von der, der Ihr Browser folgt, um ein gewöhnliches TLS-Zertifikat einer Website zu prüfen.
Aus welchen Feldern ein Zertifikat besteht
- Subject — für wen das Zertifikat ausgestellt wurde (eine Domain, Organisation oder im behördlichen Kontext eine Person).
- Issuer — wer das Zertifikat ausgestellt hat (eine Zertifizierungsstelle, CA).
- Gültigkeitsdauer — die Start- und Enddaten der Gültigkeit des Zertifikats.
- Öffentlicher Schlüssel — der Schlüssel zum Aufbau einer sicheren Verbindung oder zur Prüfung einer Signatur.
- Digitale Signatur — die Signatur des Ausstellers, die die Echtheit aller anderen Felder bestätigt.
Gleiches Format, andere Vertrauenskette
Ein D-Trust-Zertifikat und das TLS-Zertifikat einer Website verwenden exakt dieselbe X.509-Struktur und denselben Mechanismus der Vertrauenskette: Eine Zwischenzertifizierungsstelle signiert das Endzertifikat, eine Root-CA signiert die Zwischenstelle. Der Unterschied liegt nur darin, welcher Vertrauensspeicher geprüft wird: eID-Lesesoftware vertraut der D-Trust-Root für den Personalausweis, während der Browser für HTTPS einem völlig anderen Satz kommerzieller Root-CAs vertraut — beide Ketten müssen sich nie treffen.
Warum die Gültigkeitsdauer begrenzt ist
Eine begrenzte Gültigkeitsdauer (üblicherweise 90 Tage bis 1 Jahr bei modernen Web-Zertifikaten) verringert die Risiken durch einen kompromittierten privaten Schlüssel und erzwingt eine regelmäßige Aktualisierung kryptografischer Parameter gemäß aktuellen Sicherheitsstandards.
Wofür man das braucht
- SSL-Zertifikatsprobleme bei der Konfiguration eines Webservers diagnostizieren.
- Gültigkeitsdauer und Aussteller eines Zertifikats prüfen, ohne externe Dienste zu bemühen.
- Die Zertifikatsstruktur beim Arbeiten mit mTLS, Client-Zertifikaten oder eID-Systemen verstehen.
Selbstsignierte Zertifikate
Ein Zertifikat kann mit seinem eigenen privaten Schlüssel signiert sein statt von irgendeiner CA — strukturell sieht es identisch mit einem „echten" X.509-Zertifikat aus, mit denselben Feldern, aber Issuer und Subject stimmen darin überein. Das ist dieselbe Vertrauensfrage in ihrer extremsten Form: Die Kette führt nirgendwohin, also hat nichts außerhalb der eigenen Konfiguration einen Grund, ihr zu vertrauen — genau deshalb taugt sie für interne Tests, wird aber überall sonst als nicht vertrauenswürdig markiert.